Neuwagenankauf: Sofort oder doch lieber später?

BMW 4er

Konservative Autokäufer schauen sich Modellneuheiten gerne an – und kaufen Sie erst nach einigen Jahren. In den ersten Produktionsjahren, so die geltende Meinung, müssten erst einmal die „Kinderkrankheiten“ ausgemerzt werden.

Unterschwellig wird den Herstellern also vorgeworfen, dass die ersten Kunden eben jene Fehler ausbaden müssen, die bei der Konstruktion unentdeckt blieben. Ist diese Vorsicht gerechtfertigt?

Komplexe Technik, kurze Entwicklungszeiten

Grundsätzlich besteht kein Zweifel daran, dass jedes Auto im Laufe seines Produktionszyklus reift. Kein Modell wird unverändert gebaut, auch abseits optischer Modellpflegen kommt es ständig zu Verbesserungen im Detail. Das allein rechtfertigt in der Regel aber noch kein Aufschieben des Fahrzeugkaufs.

Als Gradmesser für die Serienreife wird eher die Anzahl der Rückrufe betrachtet: Wird ein erheblicher Mangel festgestellt, der die Sicherheit gefährden kann, rufen die Hersteller die betroffenen Fahrzeuge zur Nachbesserung in die Werkstätten zurück. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Rückrufe unabhängig vom jeweiligen Hersteller deutlich an: Immer kürzere Modellzyklen und eine gestraffte Entwicklungsphase sorgten dafür, dass die Fahrzeuge weniger ausgiebig getestet wurden als bisher. Gleichzeitig werden die Autos immer komplexer – die Kritiker scheinen bestätigt.

Während solche Rückrufe den Hersteller eine Menge Geld kosten, erhöhen sich die Werkstattkosten bei herkömmlichen Reparaturen auch für den Fahrzeughalter. In solchen Fällen kann es sich lohnen im Internet nach einer Alternative Ausschau zu halten. Tipp: Bei autoservice.com einfach Schadensfall heraussuchen und Kostenvoranschläge für umliegende Werkstätten in der Umgebung bekommen.

Gleichteile-Strategie erhöht Umfang der Rückrufe

Im Jahr 2012 ist die Anzahl der Rückrufaktionen von 186 im Jahre 2011 auf nur noch 162 gesunken. Entwarnung kann aber trotzdem nicht gegeben werden, denn dafür sind wesentlich mehr Fahrzeughalter betroffen. In Deutschland mussten im vergangenen Jahr 824.000 Autos außerplanmäßig in die Vertragswerkstatt, weil ein Mangel abgestellt werden musste – ein Jahr davor betraf das nur 563.000 Wagen. Die scheinbar widersprüchlichen Zahlen sind einfach zu erklären: Immer mehr Autos teilen sich eine technische Plattform. Muss ein VW Golf wegen möglicher Probleme mit einem Airbag in die Werkstatt, können auch Besitzer eines Audi A3 oder Skoda Octavia davon ausgehen, bald eine entsprechende Aufforderung in ihrem Briefkasten zu haben.

Für 2013 neuer Negativrekord erwartet

Für das Jahr 2013 liegen noch nicht alle Daten vor. Branchenexperten erwarten allerdings schon einen neuen Negativrekord. Besonders BMW patzte in jüngerer Zeit: Eine Rückrufquote von 334 Prozent ist derzeitiger Negativrekord. Konkret bedeutet das, dass mehr als drei Mal so viele Fahrzeuge zurückgerufen werden mussten, wie im gleichen Zeitraum an Neuwagen abgesetzt wurden. Auch wenn der Hersteller diese Zahlen relativiert, da es sich nach eigenen Angaben auch um freiwillige Aktionen handle, dürften sich vorsichtige Käufer bestätigt fühlen.

Die Vermutung, dass technische Innovationen besonders betroffen seien, wird ebenfalls gestützt: Der VW-Konzern zeigt sich zwar derzeit als solide; in den letzten Jahren waren aber gerade die Doppelkupplungsgetriebe sowie die TSI-Motoren mit doppelter Aufladung betroffen. Ansonsten sind typische Mängel an Bremsen und Airbags zu finden.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind zu 70% mechanische Bauteile betroffen; elektrische Defekte machen nur 20% der Rückrufe aus. Die üblichen 10% gehen auf das Konto von hydraulischen Fehlern oder betreffen verschiedene Baugruppen. Unter den Herstellern zeigt sich ein wenig einheitliches Bild: Während die ehemals als besonders ausgereift geltenden Autos der Marken Toyota und Honda derzeit ähnliche Rückrufquoten wie BMW erzielen, überzeugt nach etlichen Pannenjahren der Daimler-Konzern. Insgesamt stellt sich die Branche trotzdem kein gutes Zeugnis aus: Der Durchschnitt liegt bei 142 Prozent.

Bild: BMW

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